Kultur
Kinostart am Donnerstag:
MITTE ENDE AUGUST
EFM 29.07.2009
Zwei Männer, zwei Frauen und ein einsam gelegenes Haus im Grünen: Frei nach Goethes 1809 erschienenem Roman „Wahlverwandtschaften„ begegnet uns in Sebastian Schippers stimmungsvollem Film ein Paar, dessen Liebe vor ihrer größten Herausforderung steht, als zwei unerwartete Gäste die Gefühlsidylle aufmischen. Frisch und auf moderne Art romantisch seziert Schipper eine scheinbar glückliche Beziehung und die daraus resultierenden Paar-Rituale.
Wie schon in seinen ersten beiden Filmen „Absolute Giganten„ und „Ein Freund von mir„ führte er nicht nur Regie, sondern schrieb auch das Drehbuch. Marie Bäumer („Die Fälscher„), Milan Peschel („Netto„, „Hände weg von Mississippi„), André Hennicke („Die Buddenbrooks„) und Anna Brüggemann („Lulu und Jimi„) verleihen den komplexen Gefühlen ihrer Figuren auf großartige Weise unverstelltes Leben. Die stimmungsvolle Musik stammt aus der Feder des amerikanischen Sängers und Songwriters Vic Chesnutt und wurde eigens für den Film komponiert. MITTE ENDE AUGUST ist eine Film1-Produktion in Co-Produktion mit dem NDR, in Zusammenarbeit mit Arte und in Co-Produktion mit Senator Film Produktion. Als einziger deutscher Spielfilm-Beitrag feierte der Film seine Welturaufführung im Forum der 59. Internationalen Filmfestspiele Berlin.
KLEINE TRICKS
Eine magische Sommergeschichte von Andrzej Jakimowski mit Damian Ul und Ewelina Walendziak
EFM 22.07.2009
Goldene Sommertage auf dem Land. Stefek, 7, beobachtet die Züge, die am Bahnhof vorbeirauschen. Er hofft, dass sein Vater zurückkommt, der sich vor Jahren aus dem Staub gemacht hat. Seine Schwester Elka wäscht das Geschirr in einer Kneipe und lernt nebenher Italienisch für einen besseren Job. Sie zeigt ihm, wie man das Schicksal mit Zinnsoldaten und Münzen besticht.
Ein Mann steigt aus. Sein Vater? Stefek erhöht den Einsatz und lässt nichts unversucht, um das Schicksal mit kleinen Tricks zu überlisten ...
copyright Warner Bros.
Harry Potter und der Halbblutprinz
EFM 15.07.2009
Warner Bros. Pictures präsentiert neue Heyday-Films-Produktion: Eine sechste Folge der „Harry Potter“-Kinoserie von Warner Bros. Pictures nach den beliebten Romanen von J.K. Rowling. Wieder spielen Daniel Radcliffe, Rupert Grint und Emma Watson ihre Rollen als junge Zauberer Harry Potter, Ron Weasley und Hermine Granger, die durch Lord Voldemorts Rückkehr mit neuen Problemen und Gefahren konfrontiert werden. Mit dabei sind auch bewährte „Harry Potter“-Darsteller wie Helena Bonham Carter als Bellatrix Lestrange; Robbie Coltrane als Rubeus Hagrid; Warwick Davis als Professor Filius Flitwick; Michael Gambon als Professor Albus Dumbledore; Alan Rickman als Professor Severus Snape; Maggie Smith als Professorin Minerva McGonagall; und Julie Walters als Molly Weasley. Etliche Jungstars spielen wieder ihre Rollen als Hogwarts-Schüler: Tom Felton als Harrys langjähriger Gegner Draco Malfoy; Evanna Lynch als Luna Lovegood; und Bonnie Wright als Ginny Weasley, die Jüngste aus dem Weasley-Clan. Zwei preisgekrönte Schauspieler treten erstmals in einem „Harry Potter“-Film auf: Oscar-Preisträger Jim Broadbent („Iris“, „Die Chroniken von Narnia – Der König von Narnia“) spielt den Zaubertränke-Professor Horace Slughorn.
Brüno - in jedem steckt ein Star
EFM 08.07.2009
Nach Borat kommt nun "Brüno", ein österreichischer Fashionjournalist. Teils Model, teils Celebrity-Reporter und homosexuell - macht sich auf, die Welt zu erobern. Auf seiner umfangreichen Promotiontour durch Europa ließ sich der britische Komiker Sacha Baron Cohen in allen möglichen und unmöglichen Verkleidungen fotografieren. Für Berlin präsentierte sich Sacha Baron Cohen mit leger herunterhängendem Stoffpenis. Hauptsache provokant und komisch. In den deutschen Kinos startet die Komödie am 09.07.
Achterbahn
AZM 01.07.2009
Norbert Witte hatte einen Traum: Er wollte aus dem Spreepark – einem Freizeitpark, der zu DDR-Zeiten unter dem Namen „Plänterwald“ berühmt geworden ist – den größten Rummelplatz des gerade wiedervereinigten Deutschlands machen. Stattdessen ging der König der Karusselle pleite und setzte sich mit seiner Familie und dem größten Teil seiner Gerätschaften im Jahre 2002 nach Peru ab. Er hinterließ der Stadt Berlin einen Riesenberg Schulden und ein großes Chaos.
Witte bringt den eigenen Sohn ins Gefängnis
Der Durchbruch, den er sich in Peru erhofft hatte, ließ jedoch auf sich warten. Witte mußte nach Berlin zurückkehren. Die Heimreise wollte er mit Kokainschmuggel finanzieren, zu dem ihn die Drogenmafia genötigt hatte. Die Sache erwies sich als Undercoveraktion der peruanischen Polizei und brachte seinen Sohn in Peru ins Gefängnis. Er selbst wurde in Berlin zu 7 Jahren Haft verurteilt, die er zum Teil als Freigänger absaß. Sein damals 20-jähriger Sohn Marcel, der mit der ganzen Sache wenig zu tun hatte, kam nicht so leicht davon. Er wurde zu 20 Jahren verurteilt, die er in einem der härtesten Gefängnisse der Welt absitzen muß – mit nur geringer Chance, da jemals lebend wieder herauszukommen.
Selbstsüchtiger Träumer oder visionärer Geschäftsmann
Die Geschichte der Familie Witte nimmt uns mit auf eine Achterbahnfahrt voller Höhen und Tiefen. Norbert Witte präsentiert sich zwar als charismatischer Showman mit unverwüstlichem Optimismus, der niemals seine Familie im Stich lassen würde und voller Zukunftspläne ist. Aber wie kommt er damit zurecht, das Leben seines Sohnes ruiniert zu haben?
Ist er ein selbstsüchtiger Träumer – oder ein visionärer Geschäftsmann, der immer wieder nur an unglücklichen Umständen scheitert?
„Achterbahn“ (IT »Catapult«) verfolgt die Tragödie der Familie Witte und ihren Kampf in Lima und Berlin um die Freilassung ihres Sohnes.
Regisseur Peter Dörfler zeichnet mit seinem Dokumentarfilm genau diese Bereitschaft nach, immer alles auf eine Karte zu setzen und wen nötig sein ganzes Leben und das seiner Familie von einem Tag auf den anderen umzuwerfen.
Das Ende des Spreeparks
Wer Ende der 90er Jahre in den Plänterwald kam, konnte durch den Zaun einen Blick auf die verlassenen Fahrgeschäfte des Spreeparks werfen. Auch nach Jahren standen die Gondeln der Wildwasserbahn regungslos, wie gerade erst abgestellt, dort. Besucher, die unerlaubterweise auf das Gelände geklettert waren, hatten den Eindruck, dass jeden Moment jemand auf den „Start-Knopf“ drückt und sich die Karussels wieder drehen werden. Eine seltsame Stille lag über dem Gelände. Heute ist nur noch das rostige Riesenrad übrig, welches die Baumwipfel überragt und auch aus der Ferne gut sichtbar ist. Ein Zeichen, dass die Geschichte von Norbert Witte und dem Spreepark noch nicht vorüber ist?
Julie Delpy ist „Die Gräfin“
AZM 24.06.2009
Sie war schön, sie war mächtig - und sie war eine der gefürchtesten Frauen ihrer Zeit: Erzebet Bathory (1560 - 1614). Julie Delpys historisches Drama DIE GRÄFIN erzählt die wahre und spannende Geschichte dieser außergewöhnlichen Frau, um die sich im Lauf der Jahrhunderte unzählige Legenden und Gerüchte rankten.
Sie opfert alles für die Liebe und andere für ihre Schönheit
Zu Beginn des 17. Jahrhunderts gilt Gräfin Erzebet Bathory (Julie Delpy) als mächtigste Frau in Europa - schön, intelligent und nicht bereit, zu akzeptieren, dass Männer in dieser Welt die Regeln nach Belieben manipulieren. Auf einem Fest lernt sie den weitaus jüngeren Istvan (Daniel Brühl) kennen. Leidenschaftlich verlieben sich die beiden ineinander. Doch ihr Glück ist nur von kurzer Dauer: Istvans Vater Graf Thurzo (William Hurt) zwingt seinen Sohn, den Kontakt zu Erzebet abzubrechen und beginnt ein intrigantes Spiel. Sein Plan geht auf: Erzebet vermutet eine Zurückweisung aufgrund des hohen Altersunterschiedes und erliegt, getrieben von Sehnsucht und Enttäuschung, der bizarren Idee, das Blut jungfräulicher Mädchen verhelfe ihr zu ewiger Jugend und Schönheit.
Immer mehr junge Frauen werden daraufhin auf ihr Schloss gebracht. Erzebets wahnhaftes Verhalten steigert sich zusehends. Sie setzt schließlich alles aufs Spiel - ihren Ruf, ihren Stand, ihr Leben - um für Istvan schön und attraktiv zu sein. Zu spät erkennt sie, dass sie das Opfer politischer Intrigen und Machtkämpfe wurde, an deren Spitze der Vater ihres Geliebten steht.
Porträt einer faszinierenden Figur
Für Julie Delpy ist Erzebet Bathory keinesfalls die "Blutgräfin" des langlebigen Mythos, sondern eine vielschichtige Figur zwischen Gut und Böse. Eindringlich, ja berührend zeichnet Delpy das Porträt dieser faszinierenden Person als moderne Frauenfigur in historischem Gewand. Es geht um zeitlose Themen wie Schönheitswahn und ewige Jugend, um Macht und Intrigen, um Liebe, Hass und Mord und um verbotene Leidenschaften.
Wie schon bei „2 Tage Paris“ übernahm Delpy neben der
Regiearbeit auch die Hauptrolle, den schwierigsten Part: Als Erzebet Bathory gelingt Julie Delpy ein großartiger Drahtseilakt - Täter und Opfer zugleich. Zudem zeichnet sie für das Drehbuch und die Musik verantwortlich. An ihrer Seite steht ein weiteres Mal der deutsche Schauspieler Daniel Brühl.
Kinostart am Donnerstag:
ALLE ANDEREN mit Birgit Minichmayr
AZM 17.06.2009
ALLE ANDEREN erzählt die Geschichte von Gitti und Chris, einem ungleichen Paar, das sich am viel zitierten A.... der Welt in trauter Zweisamkeit durch einen Urlaub kämpft. Dabei lernt der Zuschauer zwei ganz private Menschen kennen: Geheime Rituale, Albernheiten, unerfüllte Wünsche und Machtkämpfe werden deutlich. Ausgelöst durch ein scheinbar
unwichtiges Ereignis - die Begegnung mit einem anderen Paar - gerät die Beziehung ins Wanken. Die Anderen sind nicht nur erfolgreicher, sondern verstehen es zudem eine konventionelle Mann-Frau Rollenverteilung hinter einer modernen Fassade zu verstecken. Chris beginnt sich an den Anderen zu orientieren und versucht seiner eigensinnigen Freundin ihre Grenzen zu zeigen, wodurch Gittis Vertrauen in ihren Freund zutiefst erschüttert wird. Ihr Versuch, sich seinem neuen Wunschbild anzupassen, entwickelt sich vom Spiel mit einer neuen Rolle zu einem stillen Kampf gegen sich selbst. Während Chris in der Rolle des Stärkeren aufblüht und sich Gitti auf neue Weise öffnet, droht sie sich zu verlieren.
Auf der Suche nach der eigenen Identität
Mit subtilem Humor und grausamer Genauigkeit erzählt Regisseurin Maren Ade mit ALLE ANDEREN von den widersprüchlichen Sehnsüchten eines Paares auf der Suche nach seiner Identität. Die Angst der Protagonisten vor Verantwortung und wahren Gefühlen spiegelt die emotionale Orientierungslosigkeit einer ganzen Generation wieder. Diese intime Liebesgeschichte, die in die Tiefen einer Beziehung eintaucht verlässt sich dabei ganz auf das feine, berührende Spiel ihrer Darsteller.
Im Wettbewerbsprogramm der 59. Internationalen Filmfestspiele im Februar in Berlin, feierte ALLE ANDEREN Premiere. Hauptdarstellerin Birgit Minichmayr wurde abschließend mit dem Silbernen Bären für die Rolle der Gitti geehrt.
Der entsorgte Vater
AZM 10.06.2009
Mit „Der entsorgte Vater“ widmet sich Douglas Wolfsperger einem gesellschaftlichen Phänomen, das in der öffentlichen Wahrnehmung kaum vorkommt: Männer, die nach einer Trennung von ihren Frauen nicht nur als Partner, sondern auch als Vater „entsorgt“ werden und die - oft vergeblich - um die Beziehung zu ihren Kindern kämpfen. Vier Väter schildern in berührenden Interviews ihr Leid und ihre Bemühungen.
Eine Mutter begründet die Umgangsverweigerung aus ihrer Sicht.
Gericht ordnet Abschied vom Kind an
Vater sein und doch nicht fürs eigene Kind sorgen dürfen: Der Regisseur und Produzent Douglas Wolfsperger durchlebt dies seit vielen Jahren. Der Kontakt zur eigenen Tochter wird ihm verwehrt. Anstatt sich rechtzeitig um eine Einigung zwischen den Parteien zum Wohle des Kindes zu bemühen, ordnet das Gericht schlussendlich an, dass sich der Vater von der Tochter verabschieden solle. Und zwar endgültig. Er macht sich auf die letzte Reise zu seiner Tochter.
Der Regisseur trifft auf dieser Reise vier Väter, die sein Schicksal teilen: Sie können ihre eigenen Kinder nicht sehen, weil die ehemaligen Lebensgefährtinnen den Umgang von Vater und Kind über Jahre hinweg unterbinden. Wütend, enttäuscht, traurig, manchmal auch naiv erzählen sie von den Konsequenzen gescheiterter Beziehungen. Als Gegenpol begründet eine Mutter, warum sie den Kontakt ihres Kindes zum Vater ablehnt.
Auf kurzweilige und unterhaltsame Weise entsteht „nebenbei“ auch ein Stimmungsbild von deutschen Befindlichkeiten und vom Zustand unserer Gesellschaft.
Meine schöne Nachbarin – Rührselige Vater-Sohn-Geschichte
AZM 04.06.2009
Hamburg (dpa) - Noch ein Wiedersehen nach langer Trennung und wieder ein „Tatort“-Kommissar in einer Filmrolle: Jörg Schüttauf, Frankfurter Fernsehermittler, spielt den in Afrika lebenden Michael, der vor 20 Jahren seinen Vater (Joachim Bißmeier), einen ehemaligen Kripobeamten, im Streit verließ.
Nun kehrt er zurück nach Berlin, denn der Vater liegt im Sterben. Der pragmatische und anfangs emotionslos erscheinende Sohn sucht nach einem Sterbehospiz für ihn. Aber statt der Todkranken dort einfach alleine zu lassen, bleibt er und stellt sich seiner Vergangenheit: Was der sterbende Vater nicht weiß: Michael ist Kopf einer kriminellen Bande. Neben einer Vater- Sohn Geschichte erzählt Regisseur Peter Kahane («Rote Zora») noch eine Liebesgeschichte, die von Michael zu einer attraktiven Nachbarin (Isabella Parkinson), die ihm in dieser Konfrontation zwischen Gestern und Heute Halt gibt.
(Meine schöne Nachbarin, Deutschland 2007, 90 Min., FSK o.A., von Peter Kahane, mit Jörg Schüttauf, Isabella Parkinson, Joachim Bißmeier)
Kinostart am Donnerstag:
fucking different Tel Aviv
AZM 27.05.2009
Mit „Fucking different Tel Aviv“, kommt ein weiterer Film ins Kino, der auf der diesjährigen Berlinale (Panorama) erfolgreich gezeigt wurde. Der dritte Teil der konzeptionellen Serie “fucking different” (der erste Teil wurde in Berlin gedreht, der zweite in New York) ist eine Sammlung von Kurzgeschichten, mit dem Ziel eine Kreuzung unterschiedlicher Ansichten queerer Sexualität im heutigen Tel Aviv aus der Sicht von zwölf schwulen und lesbischen Filmemachern anzubieten. Das könnte leicht zu einer einzigen Aneinanderreihung von Klischees, Vorurteilen und stereotypen Beschreibungen führen, doch die Produktionen der Filmemacher vermeiden diese Gefahr von Anfang an. Getreu dem Motto des ursprünglichen Berliner Projekts orientiert sich “fucking different Tel Aviv” zwar an bestehenden Klischees von Männlichkeit und Weiblichkeit, mit der Absicht sie zu unterlaufen, durch Offenlegung, durch Überprüfung oder ganz einfach durch Wiedererkennung. Geistreich, schlau und ausgesprochen sexy, bieten die Filme dieser Kompilation außergewöhnliche Eindrücke von der weiblichen und männlichen Sexualität und Erotik.
Die Perspektive wechseln
Wie auch in den vorangegangenen Kompilationen, wurden lesbische Regisseurinnen gebeten Kurzfilme zu entwickeln, um ihre Vorstellungen von schwuler männlicher Sexualität und Erotik darzustellen und im Gegenzug dazu beschrieben schwule Filmemacher ihre Vorstellungen von Liebe und Sex zwischen Frauen. Den Regisseuren war die Auswahl des Genres freigestellt. Die einzigen Vorgaben waren die Laufzeit der Filme – drei bis sieben Minuten – und das endgültige Format: Mini-DV. Mit einer allumfassenden Betonung der Geschichte und Darsteller, Handlung und Atmosphäre zeigt die Sammlung eine ausgewogenes Medley aus fiktionellen, dokumentarischen und experimentellen Filmen und enthüllt dabei die Schlüsselrolle die Politik und Religion in der schwulen und lesbischen Sexualität in diesem Teil der Welt einnehmen.
Eine bemerkenswerte Anzahl von Transgender-Künstlern und Drag Queens ist hier zu erleben, nicht nur eine Herausforderung für einige der Charaktere, sondern auch für das Publikum und sein Bild von Geschlechterrollen. Diese Kurzfilm-Sammlung führt nicht zuletzt dazu, sich zu entspannen und das herkömmliche Konzepte von “männlich” und “weiblich” erneut zu durchdenken.
Der Film läuft unter anderem im Movimento am Kottbusser Damm 22 in Berlin. Weitere Informationen zum Film erhalten Sie unter http://www.fucking-different-ta.de/
Die Schimmelreiter
Ein Film von Lars Jessen und Ingo Haeb
AZM 20.05.2009
Ansonsten ein munterer Spaßvogel, gibt es für Fuchs (Peter Jordan) hinsichtlich Sauberkeit und Ordnung in Gaststätten nichts zu lachen. Jedenfalls nicht für die, die gegen die amtlichen Hygienebestimmungen verstoßen. Als Lebensmittelkontrolleur aus Leidenschaft, nimmt er die Asia-Lokale, Hähnchengrills und Imbissbuden in seiner Heimat Dithmarschen auseinander. Insgeheim jedoch träumt er von Höherem: Hamburg mit seinen vielen Kneipen und Restaurants ist genau „der Competition“, den sein Ehrgeiz braucht. Um den Chef der dortigen Lebensmittelkontrollbrigade für sich einzunehmen, nimmt er dessen gestrandeten Bruder Tilmann (Axel Prahl) bei sich auf.
Ekelpaket und Ekelrestaurants
Dieser abgebrannte Weltenbummler ist frustriert, zynisch, unflätig. Er frönt dem Alkohol, raucht ohne Ende und versucht mit rabiaten Mitteln, seine leeren Taschen zu füllen – kurz gesagt, er ist ein richtiges Ekelpaket. Als Fuchs sich auf seine – vermeintlich - letzte Dienstreise durch Dithmarschen macht, besteht sein Gast darauf, ihn zu begleiten. Doch Tilmann beschränkt sich nicht auf die Rolle des stillen Weggefährten. Er mischt sich in die Kontrollen ein, verschärft den Ton und reißt schnell das Verfahren an sich. Das geht soweit, dass er saftige Geldstrafen verhängt und die an Ort und Stelle kassierte Kohle ganz offen in die eigene Tasche steckt. Was Fuchs als unspektakuläre Routinefahrt geplant hatte, entwickelt sich für den aufrechten Saubermann aufgrund der peinlichen Anmaßungen des vorlauten Misanthropen zum apokalyptischen Ritt in die gastronomischen Abgründe zwischen Elbe und Nord-Ostsee-Kanal. Aus der amüsanten Dienstreise durch die karge Schönheit des schier endlos flachen Nordens wird nach und nach ein hintergründig-witziges Roadmovie – auch und gerade weil einem aufgrund des knochentrockenen Humors nicht nur einmal das Lachen im Halse stecken bleibt.
In Berlin
AZM 13.05.2009
Andere Ideen zu haben ist nichts Böses
Der Kameramann Michael Ballhaus wurde 1935 in Berlin geboren. Nach einer Ausbildung als Fotograf, entdeckt er seine Leidenschaft für bewegte Bilder. Mit Rainer Werner Fassbinder dreht er 16 Filme. Mitte der 80er Jahre geht er nach Amerika und wird der bevorzugte Kameramann von Martin Scorsese. Am 14. Mai kommt nun sein Film „In Berlin“ bei dem er auch Regie geführt hat ins Kino. Vorab hat Michael Ballhaus der Berliner Morgenpost ein ausführliches Interview gegeben, indem er nicht nur über seinen Film gesprochen hat. Die interessantesten Statements fasst Blick-Punkt online für Sie zusammen.
Warum „In Berlin“?
Berlin ist keine schöne Stadt, Berlin wirkt mit Kontrasten. Für Ballhaus sind Städte wir London, Paris oder Rom schöner. Aber er mag den Wannsee mit seinen Häusern direkt am Wasser.
Der Film „In Berlin“ ist entstanden aus der Idee, einen Film unter dem Titel „Mein Berlin“ für den RBB zu machen. Nach eigenen Angaben stellte Ballhaus allerdings schnell fest, dass sein Berlin eigentlich langweilig ist. Da wären nur ältere Leute vorgekommen. Seine Frau sei es gewesen, die die Zusammenarbeit mit dem viel jüngeren Regisseur Ciro Cappellari anregte. Mit unterschiedliche Erfahrungen mit Berlin und dem Mut im Gepäck Berlin neu kennen zu lernen, führten sie Gespräche mit Angela Winkler, Frank-Walter Steinmeier, Dimitri Hegemann, Maybrit Illner und Joachim Sartorius. Alles Menschen, die sich bewusst entschlossen haben, in Berlin zu leben. Die wenigsten stammen aus der Stadt, denn wer hier geboren ist, nimmt vieles für selbstverständlich.
Ballhaus-Kreisel und Kompetenzgerangel
Die 360-Grad-Kamerafahrt, der Ballhaus-Kreisel, ist ein Element, dass er zu Fassbinder-Zeiten erfunden hat und welches auch in Amerika sein Markenzeichen wurde. Den Unterschied zwischen einem Kameramann im deutschen Film und dem Director of Photography, wie es in Amerika heißt, kann man laut Ballhaus an seinen Kompetenzen festmachen. In Amerika muss der Regisseur nicht sagen, wo die Kamera stehen soll. In vielen Fällen hat der Kameramann den Freiraum, die Szenen nach seinen Vorstellungen zu gestalten. Allerdings arbeite man dort auch manchmal achtzehn Stunden am Tag. Mit siebzig Jahren und nach fast hundert gedrehten Filmen beschloss er daher nach Deutschland zurückzukehren. Aus der Zusammenarbeit mit den unterschiedlichsten Regisseuren und Charakteren hat er gelernt „offen und flexibel zu sein, zu begreifen, dass es viele Wahrheiten gibt, dass man sich auf die Menschen einstellen muss und auch kann. Andere Ideen zu haben ist nichts Böses.“
IN BERLIN
Länge: 96 min.
Genre: Dokumentation
Drehort: Berlin
Produktionsjahr: 2008
Regie/Drehbuch/Kamera: Michael Ballhaus, Ciro Cappellari
Produktion: cine plus, Jörg Schulze, Arndt Potdevin
Koproduktion: Rundfunk Berlin Brandenburg (rbb), arte
Phantomschmerz
AZM 06.05.2009
Marc (Til Schweiger), passionierter Rennradfahrer, Frauenheld und Geschichtenerzähler, lebt in den Tag hinein. Standhaft weigert er sich, Verantwortung zu übernehmen – auch nicht für seine Tochter (Luna Schweiger). Selbst als er bei einem Verkehrsunfall sein linkes Bein verliert, lässt sich der unerschütterliche Optimist Marc nicht unterkriegen – wären da nicht diese entsetzlichen Phantomschmerzen und seine Liebe zu Nika (Jana Pallaske), die ihn dazu zwingen will, sich endlich mit seinem Leben und seiner Vergangenheit auseinanderzusetzen.
Über sein Spielfilmregiedebüt „Phantomschmerz“ sagt Matthias Emcke: „Phantomschmerz ist die Geschichte eines charmanten Nichtsnutz, der im Grunde alle Anlagen hat, etwas Besonderes aus seinem Leben zu machen – den aber die unterschiedlichsten Dämonen davon abhalten. Nach einem tragischen Unfall, bei dem er sein Bein verliert, gibt es
nur zwei Alternativen: sich zu wandeln oder endgültig abzustürzen. Das klingt zwar erst mal banal – aber gerade das ist für mich die Herausforderung gewesen.“
Foto: christinastuermer.de
Christina Stürmer unterstützt von Herbstrock
AZM 01.05.2009
Die österreichische Pop-Rock-Prinzessin Christina Stürmer war „In dieser Stadt“ und rund 500 Menschen folgten ihr in die Columbiahalle. Als Anheizer diente die Band Herbstrock, die mit einem Deutsch-Rock-Programm die Menge vorab zum Klatschen brachte.
Christina Stürmer präsentierte mit ihrer Band anschließend Songs von ihrem neuen Album und ältere Stücke, schnelle und langsame Titel. Eine sportliche Leistung, denn über 90 Minuten springen und singen gleichzeitig schafft nicht jeder. Eine starke Frau mit einer klaren Linie und Spaß an dem was sie dort macht.
Sie singt ihre Geschichten von diversen Ex-Freunden, dem Leben an sich und natürlich ganz viel Herzschmerz. Aber es wirkt authentisch, denn sie beschreibt Situationen und Gefühle die jeder kennt.
Dennoch, in den Applaus-Pausen zwischen den Titel konnte man den Eindruck gewinnen, dort oben auf der Bühne steht ein zierliches, zerbrechlich wirkendes und schüchternes Mädchen, das sich tierisch über den Jubel der Fans freut. Und den bekam sie an diesem Abend reichlich.
Ob ihr wollt oder nicht
AZM 29.04.2009
- Eine ganz normale außergewöhnliche Familiengeschichte
Laura, Ende 20 und die jüngste von vier Schwestern, hat Krebs. Als sie plötzlich die Chemo abbricht und unangekündigt in ihr Elternhaus zurückkehrt, passt ihrer Mutter das gar nicht in den Kram. Und ihren drei höchst unterschiedlichen Schwestern erst recht nicht. Doch nach anfänglichen Widerständen eilen sie aus allen Teilen der Republik herbei. Ihr Ziel: Laura zur Wiederaufnahme der Behandlung zu bewegen - und dann schnell wieder weg, haben sie sich doch eigentlich überhaupt nichts zu sagen. Doch Lauras Ziel ist ein ganz anderes: Ihre schräge und zerrüttete Familie wieder zusammenzubringen…
Regisseur Ben Verbong („Das Sams", „Herr Bello") inszenierte die bittersüße, zutiefst bewegende Geschichte um Streit und Versöhnung, Entfremdung und Annäherung, Sprachlosigkeit und die Suche nach Harmonie.
Dorfpunks
AZM 23.04.2009
Zwischen Kühen und Ostsee im kleinen Schmalenstedt in Schleswig-Holstein hängen die Punks vom Land gemeinsamen ab. Unter ihnen Malte Ahrens, der sich nun Roddy Dangerblood nennt nachdem der „Punk“ mit einiger Verspätung auch in Schmalenstedt Einzug erhalten hat. Vor lauter Ereignislosigkeit entsteht plötzlich die Idee, von der alle begeistert sind: „Wir gründen eine Band!“. Gitarre, Schlagzeug, Bass und Gesang, der Rest drum herum: Die Stimmung ist prächtig, und die Euphorie über den nach langem Suchen gefundenen Bandnamen „Warhead“ kennt keine Grenzen. Die Proben allerdings gestalten sich schwieriger als gedacht, der Bandname wechselt beinahe täglich und das erste Konzert wird zum desaströsen Meilenstein der Schmalenstedter Punk-Geschichte. Schlimmer geht’s allerdings immer, was spätestens das zweite Konzert beweist. Und wieder stellt sich die Frage: „Ist das Punk?“
Regisseur Lars Jessen verfilmte Rocko Schamonis Kultroman über eine Jugend in den 80er Jahren, die vom Punk und der ländlichen Umgebung geprägt ist. Bilder und Sprache lassen den Zuschauer in nostalgischen Erinnerungen schwelgen. Die jungen Schauspieler wirken authentisch und der Soundtrack großartig.











